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Martha Root
ist eine jener inspirierenden Persönlichkeiten, wie sie es nur selten gibt. Ihr
Leben legt Zeugnis ab für ihre Liebe zur Menschheit und ihren Glauben an die
Einheit der Welt. Martha Luise Root wurde 1872 in Ohio geboren und wuchs in Cambridge Springs, Pennsylvania, mit ihren Eltern, Timothy T. und Nancy Root, und zwei Brüdern auf. Nach ihrem Schulabschluss, studierte sie in Ohio und Chicago Literatur, arbeitete einige Jahre als Direktorin eines Gymnasiums, dozierte über Shakespeare und zog schließlich 1900 nach Pittsburgh, wo sie ihre Leidenschaft für den Journalismus entdeckte, insbesondere im Bereich des Automobils, welches zur damaligen Zeit eine faszinierende neue Erfindung war. Aber wie sie selbst schreibt fing „die große Story ihres Lebens“ 1908 in ihrem 36. Lebensjahr an. In diesem Jahr lernte Martha Root die Bahá’í Religion kennen, welche sie so entflammte, dass sie zu einer Vorreiterin in der Arbeit für den Frieden wurde und in den letzten 20 Jahren ihres Lebens viermal die Welt umreiste, um den Menschen die Botschaft der Einheit und der Liebe zu bringen. Ihre Reisen führten sie nach Südamerika, Indien, Südafrika, China, Japan, Australien, Neuseeland, in viele Länder Europas, Ägypten, Israel, Iran, Burma, Türkei, Skandinavien und Hawaii, wo sie am 28. September 1939 ihre letzte Ruhe fand. Während ihrer Reisen in diesen und anderen Orten hielt sie Vorträge bei religiösen Kongressen, Friedensgesellschaften, Esperantovereinen, Sozialistenkongressen, theosophischen Gesellschaften, Frauenclubs und Universitäten. Mit Königen und Königinnen, Staatspräsidenten, Ministern und Politikern, Redakteuren, Professoren, Geistlichen, Schriftstellern, und vielen anderen Menschen denen sie begegnete, ob arm oder reich, sprach sie über das Zusammenwachsen der Nationen, über die Entstehung einer Sprache mit der sich alle Völker verständigen können, über die globale Notwendigkeit der Erziehung und das Prinzip gleicher Bildung für Männer und Frauen, über das Ablegen aller Vorurteile um das Ideal der Einheit der Menschheit und eines anhaltenden Friedens zu verwirklichen, über die Entwicklung der Seele als auch des Intellekts, über die Notwendigkeit von Taten statt bloßen Worten, über die Einheit der Religionen, die Suche nach Wahrheit, die Harmonie von Wissenschaft und Religion, über die Lehren der Bahá’í Religion. Königin Maria von Rumänien schrieb in einem Brief über die Botschaft, die ihr Martha Root überbrachte: »Sie kam wie alle großen Botschaften kommen, in einer Stunde quälender Sorge, des inneren Zwiespalts und der Not, und so drang der Same tief ein.« Weiterhin schrieb sie, dass »diese Lehren die Lösung für die Weltprobleme darstellen«, dass sie »ein lauter Ruf zum Frieden sind, über alle Grenzen hinweg und erhaben über allen Zank um Riten und Dogmen.« »Diese Bücher haben mich unglaublich gestärkt, und ich bin jetzt voll Hoffnung und bereit, jeden Tag zu sterben. Aber ich bitte Gott, mich noch nicht hinwegzunehmen, denn ich habe noch viel Arbeit vor mir.« Und schließlich in einem späteren Schreiben: »Die Bahá'í-Lehre bringt Frieden und Verständigung. Sie ist wie eine weite Umarmung, die alle umfängt, die lange nach Worten der Hoffnung gesucht haben.« Martha Root reiste nicht so, wie man es sich bei einer Dame ihres Alters vorstellen würde. Sie war klein und schmal, ihr Gesundheitszustand war wegen einer Krebserkrankung sehr kritisch. Dennoch wählte sie fast ohne Ausnahme die günstigste Reisemöglichkeit. Oft verbrachte sie nächtelange Fahrten auf harten Holzbänken in gedrängten 3. Klasse Abteilen. Für ihren ersten Besuch bei Königin Maria schlug sie das Angebot einer Kutsche ab und gelangte stattdessen mit einem Mietgaul zum Cotroceni Palast. Als Martha Root 1929 in Ägypten von einer Delegation des Neffen König Fuads empfangen wurde, durchsuchten die Abgesandten erst die Wagen der ersten Klasse, dann versuchten sie es erfolglos in den Wagen der zweiten Klasse, und sahen schließlich eine alte Frau mit ihrem Koffer aus Richtung der dritten Klasse auf sie zukommen. Martha nahm sich nicht nur für große, sondern auch für kleine Aufgaben Zeit. Im Abteil eines indischen Zuges, kämmte sie einem alten Mitreisenden die zerzausten Haare, als wäre er ihr eigener Vater. Als sie einen Herrn traf, der verzweifelt war, da seine Hose verkrumpelt war und er einen wichtigen Termin vor sich hatte, packte sie ihr Reisebügeleisen aus und bügelte ihm die Hose. Sie führte ein einfaches Leben. In den preiswerten, kalten Hotelzimmern, in denen sie lebte, bereitete sie sich ihre eigenen sparsamen Mahlzeiten vor. Ihre Reisen finanzierte sie selbst, indem sie weiterhin als Journalistin Artikel schrieb oder Englischunterricht gab. Auch ihre Kleidung war sehr einfach. Manche wunderten sich, als sie sich mit einem schlichten hellblauen Kleid, schwarzem Mantel und Strohhut zu einem Frauenclub in Wien, dessen Mitglieder Pelz und Stiefel bevorzugten, aufmachte. Doch als sie anfing zu sprechen, spürten die Anwesenden ihren Geist und ihre Energie. Nach dem Vortrag scharten sich die Clubmitglieder bewundernd um sie. Trotz all der Strapazen, nannte Martha Root selbst ihre Reisen „spiritual skylarking“, welches man frei als „geistiges Hinaufschwingen“ übersetzten kann, wobei „skylark“ eine art Lerche ist, die singt während sie sich in den Himmel emporhebt. Heute liegt Martha Root auf einem Hügel bei Honolulu begraben, und am Horizont über dem Meer segeln die Lerchen. |